BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Berlin
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Stachelige Argumente


Ausgabe 131 5/2001

Ökologische Modellstadt Berlin

Regional denken - lokal essen

Verbraucherschutz und Umweltschutz gehören zusammen. Als sich die Agrar- und UmweltministerInnen von Bund und Ländern am 13. Juni zu einer gemeinsamen Konferenz in Potsdam trafen, wurde damit ein deutliches Signal gesetzt, dass die natur- und umweltverträgliche Landbewirtschaftung ein zentrales Anliegen der Agrarwende ist. Geht es kurzfristig zunächst einmal um die wirkungsvolle Bekämpfung von BSE, so steht mit dieser gemeinsamen Sitzung auch die Integration der Belange des Verbraucher-, Natur-, Umwelt- und Tierschutzes auf der Tagesordnung. Ökologischer Landbau steht für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen - für den Schutz des Bodens, für sauberes Wasser und saubere Luft. Metropole Berlin und ökologischer Landbau - wie passt das zusammen??

Der Griff ins Lebensmittelregal ohne Angst vor gesundheitlichen Gefahren ist auch ein Recht der Berliner/Innen. BSE-Krise und die anhaltende Diskussion um Massentierhaltung und Futtermittelskandale haben die VerbraucherInnen verunsichert. Das Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn der gesamte Prozess der Lebensmittelherstellung, -verarbeitung und -vermarktung transparent gestaltet wird. Beim Griff ins Regal - ob im Supermarkt oder im Bio-Laden - müssen die VerbraucherInnen über die Art der Erzeugung, die Inhaltsstoffe und die Behandlung der Lebensmittel leicht nachvollziehbar informiert werden, um beim Kauf die Risiken in eigener Verantwortung abschätzen zu können. Voraussetzung ist ein einheitliches Qualitätssiegel, das zuverlässig bestimmte Mindestqualitätsstandards für die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung sicherstellt. Das BIO-Siegel, das Anfang September unsere Verbraucherministerin Renate Künast der Öffentlichkeit vorgestellt hat, ist ein solches Siegel, mit dem Bio-Lebensmittel schnell und eindeutig im Lebensmittelregal zu erkennen sind (siehe Kasten). Es orientiert sich an der EU-Verordnung zum ökologischen Landbau und setzt damit weltweit gültige Standards. In den nächsten zwei Jahren soll das Bio-Siegel mit einem Werbeetat von immerhin 28 Millionen Mark bei Handel und VerbraucherInnen bekannt gemacht werden, um die Öko-Produkte aus dem Nischenmarkt zu holen und den anvisierten Marktanteil von 20 Prozent bis 2010 zu erreichen.

Wie kommen die Öko-Produkte in Berlin auf den Tisch?

  • Regional denken - lokal essen: Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, unsere nächsten Nachbarn, haben die größten Anteile ökologischer Landwirtschaft in Deutschland. Die Berliner Stadtgüter in Brandenburg bieten eine zusätzliche Chance als Lieferanten für Öko-Produkte, wenn es gelingt, den Verkauf an ökologische Kriterien zu binden. Die Nachfrage aus Berlin nach ökologischen Produkten aus dem Umland schafft Arbeit in der Region und verkürzt die Transportwege, was sich positiv auf die Ökobilanz auswirkt und gleichzeitig die Produktqualität erhöht. Qualität wiederum sichert die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Berliner/innen essen gerne gesund - die Bio-Branche ist Wachstumsbranche. Während der Nahrungsmittelfacheinzelhandel insgesamt über stagnierende Umsätze klagt, kann sich der Naturkostfachhandel über eine lebhafte Umsatzentwicklung freuen. Die Nachfrage nach ökologischen Produkten nimmt zu. Die überwiegend kleinen und mittelständischen Fachgeschäfte setzen auf starke Kundenbindung, stellen ihr Sortiment auf die Kundenwünsche ein und bieten ergänzende Dienstleistungen wie Lieferservice und Abo-Kiste. Die Fachgeschäfte setzen auf qualitativ hochwertige Produkte, auf Beratung und Information und auf ein zunehmend breiter werdendes Warenangebot.
  • Mit dem Karren auf den Markt? - Mittlerweile organisieren Profis die Vermarktung ökologischer Produkte, sowohl für den Bio-Laden als auch für den Supermarkt. Durch die Zusammenarbeit mit Großhändlern, Herstellern sowie Erzeugern aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau wird dem Einzelhandel eine dauerhafte Lieferfähigkeit qualitativ hochwertiger Produkte gesichert. Die VertreterInnen des ökologischen Landbaus haben sich in Fördergemeinschaften zusammengeschlossen und suchen auch den Kontakt zu anderen gesellschaftlichen Akteuren, z.B. zu VertreterInnen der Naturschutzverbände, Parteien und Lokale Agenda Gruppen.
  • Öko-Produkte müssen für alle bezahlbar sein. Das neue Bio-Siegel garantiert die Einhaltung einer Mindestqualität bei der Erzeugung und Herstellung von Lebensmitteln und bringt damit die ökologischen Produkte in die Supermärkte. Wer darüber hinaus mehr Qualität will, wird dafür auch mehr zahlen müssen, so ist es schon heute. Andererseits könnten mehr als 600 000 BerlinerInnen (bei einem prognostizierten Marktanteil von 20% bis 2010) mit ihrer Nachfrage den Absatzmarkt und den Preis nach ökologischen Produkten zukünftig nicht unwesentlich beeinflussen.
  • Öko-Produkte für alle, die »außer Haus« essen. Ob in Krankenhäusern, Mensen, Kantinen oder Kindertagesstätten, viele Menschen in Berlin werden täglich über Großküchen versorgt. Hier ist noch einiges zu tun, um ökologische Produkte im großen Stil auch an Berliner Großabnehmer zu bringen und damit die tägliche Mahlzeit für viele etwas gesünder zu machen.

Das sozial-ökologische Zukunftsprogramm von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin wird für die nächste Legislaturperiode aus Landesmitteln, ergänzt um Bundes- und EU-Mittel, 50 Mio. DM Fördermittel für die Vermarktung und Werbung ökologischer Produkte aus der Region bereitstellen. Flankierend dazu wird es Informations- und Werbekampagnen für die VerbraucherInnen und den Einzelhandel geben. In enger Abstimmung mit den Unternehmen und Verbänden muss grüne Politik Rahmenbedingungen schaffen und unterstützend tätig sein beim Abbau wirtschaftlicher und bürokratischer Hemmnisse.

Gesunde Ernährung durch ökologische Produkte aus der Region ist ein Baustein für unser Zukunftsprojekt »Ökologische Modellstadt Berlin« und ein Baustein für eine ökologische Umwelt- und Wirtschaftspolitik.

Weitere Informationen zum ökologischen Landbau und Adressen von Biofleischern, Öko-Märkten, Naturkostläden, Lieferservice, Bio-Bauernhöfen etc. in Berlin und Brandenburg erhält man bei der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau (FÖL) unter www.foel.de.

Felicitas Kubala,
Sprecherin des Umweltbereiches und auf Platz 3 der grünen Landesliste zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 21.Oktober

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